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Nadine Witt

Was für eine Saison − was für ein Sommer…

Lesung 20140811 Roland DSC00426 Kollenberg 1400pxEs gab Gewitter, Stürme, Regenfälle oder Hagel in ganz Deutschland, nur auf der Sonneninsel Fehmarn war nichts davon zu merken. Wir hatten den schönsten und sonnenreichsten Sommer seit langem. Welch Freude für jeden Einheimischen, der ein wenig Zeit für sich selbst reservieren konnte, um sich bei sommerlichen Temperaturen erfrischende Abkühlungen im klaren Ostseewasser zu gönnen. Ich war eine von den Glücklichen …

Der Monat August war für mich der Monat mit den meisten Lesungen, sie folgten in kurzen Intervallen dicht aufeinander.
Nun war nichts mehr mit faul am Strand liegen, sich die Sonne auf den Pelz brennen lassen und das tolle Wetter genießen. Es stand viel Arbeit auf dem Programm.

Doch so anstrengend diese Zeit auch war, es war eine schöne Zeit, an die ich gern zurückdenke. Wir hatten viel Spaß mit zahlreich, interessierten Zuhörern. Meine Verlegerin, Claudia Czellnik, und ich erreichten ein großes Publikum.

Lesung 20140811 Roland DSCR-00540 Kollenberg NadineClaudia 1400pxAlle Lesungen wurden durch Claudia Czellnik mit einer Bildershow, bestehend aus Fotos von früherer Zeit, und archivierten Zeitungsartikeln über die Geschehnisse von vor über 40 Jahren, begleitet. Im Anschluss zeigten wir an der großen Leinwand die Dokumentation über den Fall, die im Januar 2014 im Schleswig-Holstein-Magazin des NDR, unter der Rubrik „Zeitreise“, ausgestrahlt wurde.

Lesung 20140421 3085 Kollenberg 800pxGroße Resonanz fand jeweils die Diskussionsrunde zum Ende der Veranstaltung. Eine jede war einzigartig, wenn Zeitzeuge Hans Grunst, der ehemalige Tankwart der Aral-Tankstelle, seine Erlebnisse aus der damaligen Zeit schilderte und uns an seinen Erinnerungen teilhaben ließ. Er war bei fast allen Lesungen dabei.

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„Ich lebe“ – Verlobte des Frauenmörders zu Besuch auf Fehmarn!

Ein Serienmörder, der vor über vierzig Jahren im Norden Deutschlands Frauen umbrachte. Auf bestialische Weise ermordete er eine nach der anderen und zerstückelte sie anschließend. Doch eine hat er in der Zeit seines Umhertreibens verschont: Ulrike Roland, die ehemalige Verlobte von Arwed Imiela.

„Wie mag diese Frau wohl sein?", fragte ich mich. Was hat diese eine Frau an sich, die er nicht wie alle anderen kaltblütig ermordete?

Ulrike Hans Nadine bearbNun bekam ich die Gelegenheit, es selbst herauszufinden. Denn sie hat mich besucht! 44 Jahre nach den Geschehnissen kehrte sie zurück auf die Insel und stellte sich ihrer Vergangenheit ...

Am 29. April holte ich sie vom Burger Bahnhof ab. Das erste was ich dachte, als sie ausstieg war: „Oje, was ist sie klein!" Mit ihren gerade mal 1,58 Metern Körpergröße schien sie mir sehr zerbrechlich. Durch die Fernseh- Dokumentationen hatte ich ein völlig falsches Bild von ihr. Doch man soll sich von äußeren Eindrücken nie täuschen lassen, denn wie man so schön sagt: „Klein aber oho." Sie wollte sich nicht aus dem Zug helfen lassen, präsentierte sich selbstbewusst und drahtig, auch wenn ein Knie nicht mehr so will, wie sie es gern hätte.

Sie war mir auf Anhieb sympathisch!

Zu Anfang unseres Gesprächs blickte Ulrike sehr distanziert an die frühere Zeit zurück, sprach von „Herrn Imiela". Die Schublade zu ihren damals empfundenen Emotionen schien wie fest verschlossen und öffnete sich nur langsam − als ob sie klemmen würde. All die Lügen und Verschwiegenheiten, die nach Imielas Verhaftung 1970 zu Tage kamen, hatten Ulrike bitter gemacht, sagte sie in unserem Gespräch über sich selbst. „Es hat lange Zeit recht wehgetan. Da denkt man deshalb irgendwann nicht mehr darüber nach ..." Ihre Mitmenschen machten es ihr die ersten Jahre nach dem Medienrummel um „das schrecklichste Kapitalverbrechen der Nachkriegszeit" nicht leicht. „Doch ich hatte damit ja nichts zu tun, wusste von alledem nichts", beteuert sie noch heute.

Schlimme Jahre des Betrugs, der Lüge und der Erniedrigung liegen hinter ihr, genauso wie der Schmerz, Tante und Cousine durch den Mörder verloren zu haben. So baute sie über die Jahre eine unsichtbare Schutzmauer um sich herum auf, damit es nicht mehr so sehr weh tut.

Erst nach und nach fing sie während unseres Gesprächs an, sich besser zu erinnern, Gefühle wieder zuzulassen. Der wunderschöne sonnige Tag unseres ersten Zusammentreffens mochte seinen Anteil daran gehabt haben. Gemütlich saßen wir bei Zitronenwasser auf der kleinen Terrasse neben dem alten Bauernhaus in Gahlendorf auf Fehmarn, das sie noch gut aus vergangenen Tagen kannte. Oft fuhr sie mit Imiela in das kleine Dorf im Inselosten, da er dort das Jagdrevier gepachtet hatte.

Nachdem wir einander etwas besser kennengelernt hatten, hatte ich noch eine Überraschung für sie. Denn zum Kaffee lud ich Hans Grunst ein, den Tankwart, bei dem sie zusammen mit Arwed Imiela jeden Freitag auf Fehmarn einkehrte. Er war es auch, der die Ludergrube aushob und später darin die Leichenteile zweier Frauen entdeckte.

Man hatte sich viel zu erzählen, und am Ende des Tages waren wir drei uns einig: das sollte nicht das letzte Treffen gewesen sein. Ich habe noch so viele Fragen! Doch die Geschehnisse liegen viele viele Jahre zurück, und Ulrike muss die Erinnerungen und Empfindungen von damals auch zulassen. Das braucht eben seine Zeit.

Ulrike Roland – die ehemalige Verlobte des Frauenmörders Arwed Imiela: Sie hat sich in all den Jahren nach den Geschehnissen nie unterkriegen lassen, hat immer nach vorn geschaut und ihren Lebensmut nie verloren. Hut ab vor dieser kleinen aber taffen Frau!

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"Der Blaubart von Fehmarn lebt!"

... Wenn auch nur in Erinnerungen …

Er wird in Erzählungen so lebhaft dargestellt, als würde er noch heute, hinter einem Strauch oder einem Baum versteckt, auf sein nächstes Opfer lauern.

Eine Gänsehaut überkommt mich. Genau wie vor drei Jahren, als ich mich das erste Mal mit dem einstigen Frauenmörder Arwed Imiela beschäftigt habe.

Und wie bei einem Déjà-vu-Erlebnis wird erneut bei meinen Gedanken an verscharrte Leichenteile der Fehmarn-Knust unheilvoll in einen dicken, von Nebelschwaden verhangenen Umhang, gehüllt.

„Die Luft riecht ganz komisch“, sagt mein Sohn.

Es ist früher Abend und die Sonne wird schon bald irgendwo hinter einem milchigen Horizont hinter einer Nebelwand verschwinden und das letzte Tageslicht verschlucken.

Meine Augen huschen hektisch über den Hof hin und her. Was genau erwarte ich zu sehen? Dass im nächsten Moment hinter der Scheune ein großer, starker Mann in Jägerkleidung hervorspringt und mir ein Messer an die Kehle hält? Doch dann passiert es.

Plötzlich packt mich von hinten eine große Hand fest an der Schulter. Heiß schießt mir das Blut durch den Körper und jagt mir das Adrenalin bis in die kleinste Zelle. Meine Beine versagen den Geist. Ich gehe in die Knie vor Schreck. Ein Aufschrei hallt durch die von Nebel gesättigte Abendluft. War ich das?

Mein Sohn lacht: „Mama…“, kommt es vorwurfsvoll. Mein Lebensgefährte lächelt mich schelmisch an und freut sich „einen Keks“, dass er es geschafft hat, mich so zu erschrecken − dass er mich sogar in die Knie gezwungen hat. Er konnte ja nicht wissen, was mir soeben durch den Kopf ging …

Vor drei Jahren fanden genau durch ähnlich kühles Wetter und starkem Nebel die ersten Zeilen Einlass in den Kriminalroman, den ich nach einer wahren Begebenheit geschrieben habe: „Der Blaubart von Fehmarn“.

Sollte das etwa ein Zeichen für mich sein? Imiela wird ja wohl kaum durch die Unterwelt Kontakt zu mir aufgenommen haben …

Doch scheint das Thema „um das scheußlichste Kapitalverbrechen der Nachkriegszeit“ (Zitat: Fehmarnsches Tageblatt, 1970) noch immer nicht verarbeitet worden zu sein.

Der Mythos um den Frauenmörder Imiela, der seine Opfer zerstückelte, um die Leichenteile 1969 in einem Erdloch zu vergraben, hat mein Leben verändert. Dadurch kreisen meine Gedanken oft um das Unfassbare, wozu dieser Mensch fähig war, um seine egoistischen Bedürfnisse auf bestialische Weise zu befriedigen.

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