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Nadine Witt

"Der Blaubart von Fehmarn lebt!"

... Wenn auch nur in Erinnerungen …

Er wird in Erzählungen so lebhaft dargestellt, als würde er noch heute, hinter einem Strauch oder einem Baum versteckt, auf sein nächstes Opfer lauern.

Eine Gänsehaut überkommt mich. Genau wie vor drei Jahren, als ich mich das erste Mal mit dem einstigen Frauenmörder Arwed Imiela beschäftigt habe.

Und wie bei einem Déjà-vu-Erlebnis wird erneut bei meinen Gedanken an verscharrte Leichenteile der Fehmarn-Knust unheilvoll in einen dicken, von Nebelschwaden verhangenen Umhang, gehüllt.

„Die Luft riecht ganz komisch“, sagt mein Sohn.

Es ist früher Abend und die Sonne wird schon bald irgendwo hinter einem milchigen Horizont hinter einer Nebelwand verschwinden und das letzte Tageslicht verschlucken.

Meine Augen huschen hektisch über den Hof hin und her. Was genau erwarte ich zu sehen? Dass im nächsten Moment hinter der Scheune ein großer, starker Mann in Jägerkleidung hervorspringt und mir ein Messer an die Kehle hält? Doch dann passiert es.

Plötzlich packt mich von hinten eine große Hand fest an der Schulter. Heiß schießt mir das Blut durch den Körper und jagt mir das Adrenalin bis in die kleinste Zelle. Meine Beine versagen den Geist. Ich gehe in die Knie vor Schreck. Ein Aufschrei hallt durch die von Nebel gesättigte Abendluft. War ich das?

Mein Sohn lacht: „Mama…“, kommt es vorwurfsvoll. Mein Lebensgefährte lächelt mich schelmisch an und freut sich „einen Keks“, dass er es geschafft hat, mich so zu erschrecken − dass er mich sogar in die Knie gezwungen hat. Er konnte ja nicht wissen, was mir soeben durch den Kopf ging …

Vor drei Jahren fanden genau durch ähnlich kühles Wetter und starkem Nebel die ersten Zeilen Einlass in den Kriminalroman, den ich nach einer wahren Begebenheit geschrieben habe: „Der Blaubart von Fehmarn“.

Sollte das etwa ein Zeichen für mich sein? Imiela wird ja wohl kaum durch die Unterwelt Kontakt zu mir aufgenommen haben …

Doch scheint das Thema „um das scheußlichste Kapitalverbrechen der Nachkriegszeit“ (Zitat: Fehmarnsches Tageblatt, 1970) noch immer nicht verarbeitet worden zu sein.

Der Mythos um den Frauenmörder Imiela, der seine Opfer zerstückelte, um die Leichenteile 1969 in einem Erdloch zu vergraben, hat mein Leben verändert. Dadurch kreisen meine Gedanken oft um das Unfassbare, wozu dieser Mensch fähig war, um seine egoistischen Bedürfnisse auf bestialische Weise zu befriedigen.

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Das war ein interessanter Sonntagsbesuch!

Horst Fick, Nadine Witt, Holger Dabelstein und Harald Nagel (v.l.n.r)Ein Polizeidirektor a.D., ein ehemaliger Korpsstudent und ein ehemaliger landwirtschaftlicher Auszubildender ...
Was verbindet drei völlig unterschiedliche Männer mit der Ostseeinsel Fehmarn, die in Hemmelsdorf leben - einem kleinen Ort nördlich der Hansestadt Lübeck?
Die Lösung ist so skurril wie interessant für mich: der Frauenmörder Arwed Imiela. Alle drei lasen das Buch „Der Blaubart von Fehmarn" und nahmen Kontakt zu mir auf.
Dank dieser Herren, Horst Fick (links im Bild), Holger Dabelstein (Mitte) und Harald Nagel (rechts im Bild) hatte ich vergangenen Sonntag ein sehr informatives Treffen. Denn jeder von ihnen erzählte mir seine ganz persönliche Geschichte über das, was sie vor über vier Jahrzehnten durch oder mit Arwed Imiela erlebten und das sie dadurch verbindet.
Horst Fick kam durch seine landwirtschaftliche Lehre nach Fehmarn. Auf dem Betrieb in Altjellingsdorf lernte er eine Dame kennen, die mit Arwed Imiela liiert war. Sie kann wohl von Glück reden, dass sie nicht eines der armen Opfer des hinterlistigen Frauenmörders wurde und sich auch heute noch bester Gesundheit erfreut.
Harald Nagel ist ein ehemaliger Korpsstudent, der Imiela persönlich auf einem Verbindungstreffen auf Fehmarn kennenlernte. Die Waffenstudenten trafen sich regelmäßig einmal pro Monat an den Wochenenden. Nagel beschreibt Imiela als eine imposante Erscheinung und als sehr spendabel.
In der Gaststätte „Felgentreu" – heute „Burg-Klause" – lernte Nagel den Jäger kennen. Dieser gab an, als Studierter ebenfalls einer Verbindung anzugehören. Doch gab Imiela eine Hamburger Verbindung an, die es gar nicht gab...
Das weckte Misstrauen!
Holger Dabelstein ist seit einem Jahr außer Dienst. Doch zuvor fungierte er als Polizeidirektor des Kreises Ostholstein. Im Rahmen seiner Polizei-Ausbildung besuchte er 1970 eine Gerichtsverhandlung in Lübeck „in der Sache Imiela". Er brachte mir bei unserem Treffen am Sonntag die 36. Auflage des Strafgesetzbuches mit Beck'schen Kurz-Kommentaren mit, quasi einen Leitfaden durch die deutschen Gesetze. Die Auflage, die in Imielas Fall zugrunde gelegt wurde, gibt es leider nicht mehr. Doch hat folgender Satz aus §211 auch damals schon für Imiela gegolten: „Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen ... einen Menschen tötet."
Doch hatten die Beck'schen Kurz-Kommentare für Imiela eine noch viel tiefergehendere Bedeutung. Dieses Geheimnis werde ich sicherlich eines Tages, jedoch nicht heute, verraten ...
Meine Besucher schwelgten in Erinnerungen und ließen mich teilhaben an ihrer Gedankenwelt. So ging nach zweieinhalb Stunden angeregter Diskussionen ein hochinteressanter Sonntag für mich zu Ende, und noch lange nach der Verabschiedung der Hemmelsdorfer kreisten meine Gedanken um Arwed Imiela.
Nicht nur 1973, sondern auch heute noch, nach über vierzig Jahren, ist das Thema um den einstigen Frauenmörder Arwed Imiela, der Teile der Leichen in einer Ludergrube vergrub, in Bewegung.
Ich bin sehr gespannt darauf, wohin mich die Reise im Fall Imiela noch führen wird ...

 

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Lesung im KULTurlabor "sprengte" den Rahmen...

Prosit Neujahr!

Wie heißt es so schön: Alles Gute für das neue Jahr! Aber: Heißt das automatisch, dass das vergangene nicht gut gewesen ist und darum besser werden muss? Für mich konnte das Jahr 2013 kaum besser zu Ende gehen – die Lesung im Café Liebevoll machte es möglich:

Der Besucherandrang zu meiner 3. Lesung am 30. Dezember 2013 sprengte im wahrsten Sinne des Wortes den Rahmen. Fast 90 (!) Zuhörer wurden gezählt. Und das Schräge ist: Es standen noch mehr Besucher im Eingangsbereich, die jedoch aus Platzmangel wieder weggeschickt werden mussten ... Wow!

Das KULTurlabor ist bekannt für Freizeitveranstaltungen und Auftritten von Musikern, Dichtern oder wie in meinem Fall: Autoren. Inhaber Marco Eberle hat eine tolle Plattform für Menschen der Region geschaffen, die auf der Bühne mit ihren Künsten verschiedener Art Diskussionen hervorrufen sollen.

Das Ambiente für die Lesung eines Kriminalromans, in dem ein Frauenmörder sein Unwesen treibt, konnte passender nicht sein. Empfangen wurden die Besucher von blutroten samtähnlichen Vorhängen, wie in einem Theater. Im Raum hing ein Kronleuchter, dessen Licht erlosch, als die Lesung begann. Ich saß auf einer schwarzen Bühne, um mich herum gedimmtes Licht. Nur ich als Leserin wurde mit Spots beleuchtet, so dass ich die zahlreichen Zuhörer nicht sehen, sondern nur erahnen konnte. Gänsehautfeeling pur!

Die Lesung klappte mit der begleitenden Diashow trotz vorheriger Umstrukturierung reibungslos, und die anregende Diskussionsrunde im Anschluss mit Zeitzeuge Hans Grunst entpuppte sich nicht nur als interessant und informativ, sondern auch als erheiternder Abschluss.

Der Service mit dem eigens gemixten "Blutcocktail" und der „kleinen Überraschung" in der Mitte der Veranstaltung verlief einwandfrei und professionell. So neigte sich die Lesung „Der Blaubart von Fehmarn" im Café Liebevoll einem Ende zu, das ich sicher lange nicht vergessen werde.

Danke, KULTurlabor!

 

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